Humanitäre Hilfe

Im Jahr 1995 wurde der ehemalige Rettungswagen der Rettungswache Thalfang, der im Juli des Vorjahres ausgemustert und ersetzt worden war, im Rahmen der humanitären Hilfe dem Verein Tschernobyl-Hilfe Erbeskopf e.V. übergeben. Die Übergabe gestaltete sich als reinstes Abenteuer:

22. bis 25. September 1995

Überführung eines Krankenwagens

Russland 1995Um den Krankenwagen, der dem Verein Tschernobyl-Hilfe Erbeskopf e.V. vom DRK - Ortsverein Thalfang und seinem Vorsitzenden, Bürgermeister Hans Dieter Dellwo, als humanitäre Hilfe für Tschernobyl übergeben worden war, nach Rubel / Weißrussland zu überführen, nahmen der Vorsitzende Fred Müller aus Dhronecken, der I. Beigeordnete der VG Thalfang am Erbeskopf, Horst Hubert, und die beiden DRK-Angehörigen Bernd Weinig und René Weinig eine lange und beschwerliche Reise auf sich.

Vielen Menschen hatten die Thalfanger DRK-Helfer in der Vergangenheit mit dem Krankentransportfahrzeug helfen können, bis es jetzt durch ein neues Fahrzeug ersetzt wurde. Gute Dienste soll der Krankenwagen nun den Menschen in dem nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahre 1986 radioaktiv verseuchten Gebiet helfen, ihre Lebenssituation zu verbessern und ihre Kranken schnell und würdig in ein Krankenhaus zu bringen.

Vollbepackt mit Medikamenten, die aus Spendengeldern beschafft worden waren und mit Kleiderspenden startete man von Thalfang aus in das ca. 1800 km entfernte Rubel in Weißrussland. Bis nach Frankfurt / Oder ging es mit zwei Fahrzeugen und durch Polen und Weißrussland mit dem Krankenwagen. An den Grenzen gab es kaum Aufenthalt. Die polnischen Grenzbeamten ließen bei dem Wort "humanitäre Hilfe" sofort passieren. Nur an der weißrussischen Grenze bei Terrespol, nahe Brest, gab es wegen verschiedener Formalitäten wenige Stunden Aufenthalt. Der Bürgermeister der Gemeinde Rubel (ca. 7.000 Einw.) war an die Grenze gekommen und half zusammen mit einem Dolmetscher bei den Einreiseformalitäten. Von Brest aus waren noch ca. 250 km zu bewältigen bis nach Stolin (ca. 25.000 Einw.). Seit 1991 wird die dortige Poliklinik von der hiesigen Organisation mit Medikamenten versorgt, so auch dieses Mal.

Von Stolin nach Rubel (ca. 30 km) wurde der beschwerlichste Weg zurückgelegt. Das vollgeladene Krankenfahrzeug hatte Höchstleistungen zu vollbringen, über Straßen, die keine waren und über Brücken, die mit morschem Holz belegt waren, bis das Dorf Rubel erreicht war.

Medikamente für das Krankenhaus und Kleidung für die besonders bedürftigen Einwohner des Dorfes Rubel, in dem ca. 1.600 Kinder aufwachsen, das von der internationalen Kommission als hochgradig verseuchtes Gebiet eingestuft ist, wurden übergeben. Der noch junge Arzt des Krankenhauses in Rubel hatte schon sehnlichst auf die Ankunft der Medikamente gewartet, obwohl seit der letzten Lieferung erst wenige Monate vergangen waren.

Anläßlich einer kleinen Feier und einem gemeinsamen Essen, das die Eltern der Kinder, die im Hunsrück (auf Einladung des Hunsrückvereins, OG Dhronecken) drei Wochen in Ferien waren aus dem wenigen was sie hatten, zusammengestellt haben, wurde das Krankenfahrzeug von Horst Hubert stellvertretend für Bürgermeister Dellwo an die Gemeinde und das Krankenhaus übergeben. "Wenn nur ein Leben durch das Fahrzeug gerettet werden könne, habe sich die Mission schon gelohnt", so Hubert bei der Übergabe und Vorsitzender Müller traf bei seinem jetzt 5. Besuch die Feststellung: "Es gibt mittlerweile viele gute Freunde."

Bürgermeister Gregorij Leschkewitsch berichtete zunächst von seinem Aufenthalt in der VG Thalfang am Erbeskopf: "Ich glaubte, ich sei auf einem anderen Planeten, so kam mir mein Aufenthalt in Deutschland vor". Die Eltern der Ferienkinder baten, einen großen und herzlichen Dank an die deutschen Gasteltern weiterzugeben.

Die beiden mitgereisten DRK-Helfer Bernd u. René Weinig hatten einen interessierten Zuschauerkreis bei der Erläuterung der Funktionen des Krankenautos und Dolmetscher Ilda übersetzte ruhig und sachlich ins Russische.

Quelle: Homepage der Tschernobyl-Hilfe Erbeskopf e.V.

Deutsches Rotes Kreuz